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<title>Alsengemme</title>
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<p>Als <b>Alsengemmen</b> wird eine Gruppe von mittelalterlichen <a href="Glas" title="Glas">Glas</a>-<a href="Gemmen" class="mw-redirect" title="Gemmen">Gemmen</a> bezeichnet. Das zweischichtig gegossene Glas ist auf der gewölbten Unterseite schwarz, auf der flachen Oberseite hellblau gefärbt und mit einer eingeritzten figürlichen Darstellung verziert. Ihr Name rührt her von einem im Jahr 1871 auf der <a href="D%C3%A4nemark" title="Dänemark">dänischen</a> <a href="Ostseeinsel" class="mw-redirect" title="Ostseeinsel">Ostseeinsel</a> <a href="Alsen" class="mw-redirect" title="Alsen">Alsen</a> gefundenen Exemplar.
</p><p>Galten Alsengemmen lange als <a href="Heidentum" title="Heidentum">heidnische</a> <a href="Amulett" title="Amulett">Amulette</a> der <a href="Karolingische_Zeit" class="mw-redirect" title="Karolingische Zeit">karolingisch</a>-<a href="Ottonische_Zeit" class="mw-redirect" title="Ottonische Zeit">ottonischen</a> Zeit, die im späten 8. und 9. Jahrhundert in den nördlichen <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlanden</a>, während des 10. Jahrhunderts dagegen im <a href="Westfalen" title="Westfalen">westfälisch</a>-<a href="Niedersachsen" title="Niedersachsen">niedersächsischen</a> Raum hergestellt und von <a href="Goldschmied" title="Goldschmied">Goldschmieden</a> späterer Jahrhunderte als <a href="Spolie" title="Spolie">Spolien</a> wiederverwendet wurden (<a href="Otto-Friedrich_Gandert" title="Otto-Friedrich Gandert">Otto-Friedrich Gandert</a>), so deuten neuere Untersuchungen ihrer Fundumstände darauf hin, dass es sich um <a href="Hochmittelalter" title="Hochmittelalter">hochmittelalterliche</a> Glasgemmen mit christlichem Sinngehalt und teilweise wahrscheinlich um Abzeichen von <a href="Pilger" title="Pilger">Pilgern</a> oder Kaufleuten handelte (<a href="Mechthild_Schulze-D%C3%B6rrlamm" title="Mechthild Schulze-Dörrlamm">Mechthild Schulze-Dörrlamm</a>). Die Alsengemmen, derer bisher schon 100 Exemplare bekannt sind, gliedern sich demnach in drei Typen von unterschiedlicher Zeitstellung, Verbreitung und Funktion:
</p><p>Die ältesten tragen die Figur eines schreitenden Mannes, eines Tieres oder ein symbolisches Zeichen im Profil. Sie wurden vom Beginn des 11. Jahrhunderts bis zum frühen 13. Jahrhundert hergestellt und – ebenso wie die echten antiken und <a href="Byzantinisches_Reich" title="Byzantinisches Reich">byzantinischen</a> Gemmen – nahezu ausschließlich zur Verzierung von <a href="Liturgisches_Ger%C3%A4t" title="Liturgisches Gerät">liturgischem Gerät</a> sowie <a href="Reliquiar" title="Reliquiar">Reliquiar</a> verwendet. Überwiegend kommen sie im Raum zwischen <a href="Maas" title="Maas">Maas</a> und <a href="Elbe" title="Elbe">Unterelbe</a>, einige wenige auch in Italien und Spanien vor. Demnach könnten die ersten Alsengemmen von <a href="Mittelmeerraum" title="Mittelmeerraum">mediterranen</a> Glaswerkstätten angefertigt und in deutsche Gebiete importiert worden sein, wo noch keine nennenswerte Glasproduktion existierte.
</p><p>Der zweite Typ zeigt je zwei stehende Gestalten, zwei Männer oder einen Mann und einen Engel, im Profil, die sich einander zuwenden und an den Händen halten. Diese Alsengemmen waren vom mittleren 11. Jahrhundert bis Ende des 13. Jahrhunderts in Gebrauch und dienten – von einzelnen Bodenfunden in den Küstenregionen an <a href="Nordsee" title="Nordsee">Nord-</a> und Ostsee abgesehen – der Verwendung für <a href="Goldschmiedekunst" title="Goldschmiedekunst">Goldschmiedearbeiten</a> im niederländisch-nordwestdeutschen Raum.
</p><p>Erst seit dem ausgehenden zwölften und bis in das mittlere vierzehnte Jahrhundert entstanden Alsengemmen des dritten Typs, auf denen jeweils drei (bisher nur in einem einzigen Fall vier) bärtige Männer mit wehenden Rockschößen abgebildet sind, die einander ansehen und an den Händen fassen. Den Untersuchungen Otto-Friedrich Ganderts zufolge handelt es sich dabei um Darstellungen der <a href="Heilige_Drei_K%C3%B6nige" title="Heilige Drei Könige">Heiligen Drei Könige</a> nach mediterranen Vorlagen. Da deren Gebeine seit 1164 in <a href="K%C3%B6ln" title="Köln">Köln</a> aufbewahrt und verehrt (→ <a href="Dreik%C3%B6nigenschrein" title="Dreikönigenschrein">Dreikönigenschrein</a>) werden, ist anzunehmen, dass diese Gemmen nicht nur in Köln produziert, sondern dort auch als <a href="Devotionalie" title="Devotionalie">Devotionalien</a> verkauft wurden. Sie dürften von Pilgern oder Kaufleuten, die sich unter den besonderen Schutz der Reisepatrone gestellt hatten, bis in die Küstenregionen des deutschsprachigen Reichsgebietes und weit über dessen Grenzen hinaus verbreitet worden sein. Die meisten von ihnen stellen Boden- oder <a href="Lesefund" title="Lesefund">Lesefunde</a> dar, welche vor allem in den Niederlanden, Nordwestdeutschland und Dänemark, vereinzelt aber auch in <a href="Norwegen" title="Norwegen">Norwegen</a>, <a href="Schweden" title="Schweden">Schweden</a> und <a href="Nordwestrussland" title="Nordwestrussland">Nordwestrussland</a> zutage kommen. Sie scheinen lose in der Tasche getragen und dabei verloren gegangen zu sein, da sie in Gräbern bisher nicht gefunden worden sind.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Joseh Alfs: <i>Die Gemmen des Alsener Typus und ihre Verwandten in Hildesheim</i>. In: <i><a href="Zeitschrift_f%C3%BCr_Ethnologie" title="Zeitschrift für Ethnologie">Zeitschrift für Ethnologie</a></i> 70, 1938, S. 18–23.</li>
<li><a href="Otto-Friedrich_Gandert" title="Otto-Friedrich Gandert">Otto-Friedrich Gandert</a>: <i>Die Alsengemmen.</i> In: <i><a href="Bericht_der_R%C3%B6misch-Germanischen_Kommission" title="Bericht der Römisch-Germanischen Kommission">Bericht der Römisch-Germanischen Kommission</a></i> 36, 1955/56, S. 156–222.</li>
<li><a href="Michael_M%C3%BCller-Wille" title="Michael Müller-Wille">Michael Müller-Wille</a>: <cite style="font-style:italic">Alsengemme</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Lexikon_des_Mittelalters" title="Lexikon des Mittelalters">Lexikon des Mittelalters</a> <i>(LexMA)</i></cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>1</span>. Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, <span style="white-space:nowrap">Sp.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>459</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Alsengemme&rft.atitle=Alsengemme&rft.au=Michael+M%C3%BCller-Wille&rft.btitle=Lexikon+des+Mittelalters+%28LexMA%29&rft.date=1980&rft.genre=book&rft.isbn=3760889018&rft.place=M%C3%BCnchen%2FZ%C3%BCrich&rft.pub=Artemis+%26+Winkler&rft.volume=1" style="display:none"> </span></li>
<li><a href="Torsten_Capelle" title="Torsten Capelle">Torsten Capelle</a>: <i>Alsengemme.</i> In: <i><a href="Reallexikon_der_Germanischen_Altertumskunde" title="Reallexikon der Germanischen Altertumskunde">Reallexikon der Germanischen Altertumskunde</a></i> (RGA). 2. Auflage. Band 1, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1973, ISBN 3-11-004489-7, S. 198 f.</li>
<li><a href="Mechthild_Schulze-D%C3%B6rrlamm" title="Mechthild Schulze-Dörrlamm">Mechthild Schulze-Dörrlamm</a>: <i>Bemerkungen zu Alter und Funktion der Alsengemmen</i>. In: <i>Archäologisches Korrespondenzblatt</i> 20, 1990, S. 215–226.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Alsengemme?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Alsengemme</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Mechthild Schulze-Dörrlamm: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.uni-leipzig.de/gwzo/wissensdatenbank/artikel.php?ArtikelID=89.0000">Alsengemmen.</a></i> Aufsatz in der <i>Wissensdatenbank zum Werden Europas im Mittelalter</i> des <a href="Geisteswissenschaftliches_Zentrum_Geschichte_und_Kultur_Ostmitteleuropas" class="mw-redirect" title="Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas">Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas</a> der <a href="Universit%C3%A4t_Leipzig" title="Universität Leipzig">Universität Leipzig</a></li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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